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Statistiken zur GKV und Einkommensentwicklung der Zahnärzte in Deutschland

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Zahnärzte und Zahnärztinnen sind jeher ein beliebtes Ziel für Populismus, wenn es um gestiegene Kosten im Gesundheitssystem geht. Aufgrung der systembedingten privaten Zuzahlungen bei Zahnersatz, Implantaten und höherwertigen Leistungen im konservierenden und parodontologischen Bereich, sowie der Kieferorthopädie, muss ein hoher Anteil der Kosten von den Patientinnen und Patienten aus eigener Tasche erbracht werden. Es ist dann natürlich ein Leichtes, uns hier Abzocke und Vorteilnahme zu unterstellen, zumal der porschefahrende Zahnarzt, der noch zwei Feienhäuser in der Toskana besitzt, ein fest verankertes Bild in den Köpfen der Bevölkerung ist. 



Die Medien verwenden aktuelle Statistiken so geschickt, dass es so aussieht als ob dies tatsächlich der Wahrheit entspräche. So wird von Reinertrag oder Gewinn gesprochen, wohlwissend, dass diese Zahlen nichts mit einem frei verfügbaren Einkommen zu tun haben. Eine Erklärung dieses Unterschiedes wird indessen ganz zielgerichtet unterlassen. 

Ganz allgemein ist Deutschland mittlerweile ein Land der Neider geworden. Besserverdienende werden als Abzocker und Ausbeuter dargestellt. Auch hier werden ganz bewusst Informationen zurückgehalten, die für eine Relativierung dieser Aussagen nützlich sein würden. Längere Arbeitszeiten, höheres Risiko, weit höhere Ausgaben für Zinsen und Tilgung von Krediten, weit höhere steuerliche Belastungen und höhere Beiträge zu Versicherungen und Altersvorsorge , wie auch Aufwendungen für Investitionsrücklagen etc. etc., werden hier wohlweislich gar nicht erst erwähnt.
Denn dann würde sich das "Feindbild Zahnarzt" nicht aufrecht erhalten lassen.

Öffentlichkeitsarbeit ist hier von jedem einzelnen Zahnarzt und jeder Zahnärztin gefragt. Um das Ansehen unseres Berufstandes nicht weiter von selbsternannten Blendern ins Negative rutschen zu lassen.
Denn wir, die Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland, sind weder die Kostentreiber im System noch die Großverdiener.

Das große Geschäft wird an anderer Stelle gemacht.

Nehmen Sie sich bitte einmal die Zeit und lesen Sie sich hierzu bitte zu jeder Grafik auch den erklärenden Text durch. 

Dieser Bericht gibt meine ganz persönliche Ansicht und Interpretation wieder. Daher erhebe ich auch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Bilden Sie sich bitte Ihre eigene Meinung darüber.

Kommentare sind natürlich herzlich willkommen, soweit sie sachlich und respektvoll bleiben.



einkommenZAabgerutscht 
Das Einkommen der Zahnärzte hat sich in den letzen Dekaden deutlich verringert. Es ist daher unverständlich, dass Zahnärzte immer noch als Großverdiener dargestellt werden. Das entspricht nicht der Realität. 
Da es aber bei Zahnärzten systembedingt zu weit höheren Zuzahlungen kommt (die nicht vom GKV abgedeckt sind) als bei den Ärzten, ist und blebt der Zahnarzt ein leichtes Ziel für Populismus in den Medien. Dieser wird schon deshalb weiter angefacht, weil man damit von den weit höheren Ausgaben für Ärzte und Krankenhäuser ablenken kann. 
Auch aus dieser Statistik lässt sich nicht ersehen, was unter Einkommen genau zu verstehen ist.


finasnzierungsvolumen-praxis-2006 2007 
Umgekehrt zur Einkommenssituation verhält es sich mit den Investitionskosten, die für eine Zahnarztpraxis aufzubringen sind.
Hier besetzen die Zahnärzte, mit den höchsten Investitionskosten den ersten Platz. 


Das konterkariert die Aussage, dass man als Zahnarzt, nach dem Studium, sofort zu den Höchstverdienern zähle.


Vert-Eink-vSt-je-inhaber-2012 
Die Verteilung des Einkommens ( vor Steuern und Investitionsrücklagen wie auch vor Abzug der Altersvorsorge) gestaltet sich uneinheitlich. Im Median hat ein Zahnarzt ein Bruttoeinkommen von 123.350€.
Das klingt erst mal viel...und genau hier werden in den Medien keine weiteren Erklärungen angeboten. Es entsteht der Eindruck, dass der Zahnarzt oder die Zahnärztin diesen Betrag zur freien Verfügung hätte.

Das ist falsch!

verfuegbares einkmmen 2012
 

Nach Abzug der Steuern und der Kosten für die Altersvorsorge, die ein Selbstständiger zu 100% selbst bezahlen muss - 

(bei Angestellten erbringt der Arbeitgeber einen Anteil der Sozialleistungen zusätzlich zum Bruttogehalt) 

- liegt das verfügbare Einkommen bei 74.420€. Wobei hier noch keine Rücklagen für Neuinvestitionen bzw. Reparaturen berücksichtigt sind. Von einer Zahnarztpraxis wird erwartet, dass sie immer auf dem neuesten Stand der Technik bleibt. Diese wird aber immer teurer. Bei vielen Zahnarztpraxen kommt es daher seit Jahren schon zu einem Investitionsstau. Schon allein daher, weil nicht abzusehen ist, welche Einschnitte im zahnärztlichen Bereich noch kommen werden.

Nur um einmal aufzuzeigen von welchen Größenordnungen wir da reden, ein paar Beispiele:

Ein Zahnarztstuhl kostet zwischen 30.000€ und 60.000€

Ein modernes 3D Röntgengerät kann 120.000€ und mehr kosten.

Ein Ultraschallgerät, das zur Zahnreinigung verwendet wird kostet bis zu 5000€.

Und so weiter.

realwertentwicklung-einnahmen-ueberschuss-76-2012 
Die Realwertentwicklung zeigt, dass sich seit 1976 der Gewinn ( Einnahmen minus Ausgaben) kontinuierlich verringert hat und erst in den letzten Jahren wieder etwas ansteigt. Hierbei muss allerdings überlegt werden, dass dies evtl. auch durch Zusammenlegungen von Einzelpraxen zu Gemeinschaftspraxen und den damit verbundenen massiven Personaleinsparungen verursacht worden sein kann. 

gehalt Pilot 

Um einmal zu sehen wo wir als Ärzte und Zahnärzte eigentlich stehen, möchte ich einmal den Vergleich zu den Piloten der Lufthansa aufstellen. Betrachten wir einmal das Einstiegs-Bruttogehalt eines Lufthansakapitäns.

Nun ist das aber noch nicht vergleichbar mit einem selbstständigen Arzt, denn als Angestellter werden Sozialleistungen zu einem gewissen Anteil vom Arbeitgeber zusätzlich erbracht. Da ein Arzt ja selbstständig ist, muss er die Sozialleistungen zur Altervorsorge und Krankenversicherung aus seinem Bruttoverdienst vollständig selbst bestreiten.

Die anteiligen Sozialleistungen des Arbeitgebers zum Gehalt des Arbeitnehmers ( in diesem Beispiel also der Kapitän ) richten sich nach dem Bruttoverdienst. Somit beläuft sich das vergleichbare Anfangsgehalt eines Kapitäns nicht auf 110.000€ sondern auf ca. 124.000€ ( 110.000€ (Bruttogehalt) + ca. 14.000€ vom Arbeitgeber).

Es sieht also so aus, als ob das durchschnittliche Gehalt eines Arztes oder Zahnarztes mit dem Einstiegsgehalt eine Lufthansakapitäns gleichkommt.  Die Rechnung stimmt aber so noch nicht, da der Zahnarzt noch Investitionsrücklagen bilden muss..

Und dann frage ich mich, warum soll ich als Arzt oder Zahnarzt nicht soviel verdienen dürfen wie ein Kapitän der Lufthansa. Wo ich doch nicht nur die Verantwortung für Patientinnen und Patienten und für die Angestellten trage, sondern zusätzlich noch das Unternehmerrisiko trage?

Quelle:
Pilotengehälter bei elf FluggesellschaftenInfografik: © MenschDanke GmbH 



ärzte Universitaet

Zum Vergleich auch einmal die monatlichen Bezüge eines Facharztes ( Ä4 - Stufe 3 ) in der Universität. Auch hier müssen zu den Bruttobezügen noch der Arbeitgeberanteil hinzugerechnet werden, um einen Vergleich zu einem selbstständigen Facharzt herzustelllen.

Das wären dann knapp 125.000€ brutto, wenn der Kollege oder die Kollegin selbstständig wäre. Immer berücksichtigt, dass hiervon noch Steuern, die Leistungen zur Altersvorsorge und Investitionsrücklagen abgezogen werden müssen.

Quelle: http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/aerzte/uniklinik?id=tv-aerzte-2014&;matrix=1


 

vetragszahnärzte und angetsllte za 1992-2014

Der Beruf des selbstständigen Arztes ist aufgrund von Gesundheitsreformen in den letzten Jahren immer unbeliebter geworden. Ein junger Arzt/Ärztin oder Zahnarzt/Zahnärztin, der/die evtl. auch noch Familie hat, will oder kann das Risiko der Selbstständigkeit kaum noch eingehen. Die Zahl der angestellten Zahnärzte und vor allem der Zahnärztinnen nimmt daher kontinuierlich zu.

In ein paar Jahren werden kaum noch Kolleginnen und Kollegen vorhanden sein, die eine Arztpraxis kaufen können oder wollen.

Das ist umso bitterer, da der Verkauf der Praxis an einen Nachfolger als Teil der Altersvorsorge gedacht war.

Nutzniesser werden die Klinikkonzerne sein, die dann den ambulanten Bereich in ihre privat geführten Kliniken bringen.
Eine freie Arztwahl ist dann Vergangenheit und für Sie als Patient gibt es wieder ein bisschen Freiheit weniger.
Und billiger wird es für Sie sicher nicht, denn wenn es keine unabhängigen Arztpraxen mehr gibt, können Konzerne den Preis diktieren. Und Sie als Patient müssen diesen Preis, mangels Alternative, teuer bezahlen.

Altersentwicklung-1950-2060 
Der Anteil der über 60jährigen wird in den nächsten Jahren dramatisch steigen. Gleichzeitig wird der Anteil der jungen und arbeitenden Bevölkerung abnehmen. Das Solidaritätsprinzip steht dann auf dem Kopf. Wer soll dann das Gesundheitssystem und die Rente noch bezahlen?

Gewinner hierbei werden Versicherungen sein, da Sie als Patient immer mehr in die private Altervorsorge und in die privaten Zusatzversicherungen investieren müssen ( und sollen, das ist ja der Plan ). Denn so wie es derzeit aussieht, wird sich der Staat aus den sozialen Sicherungssystemen zurückziehen und es den börsennotierten Konzernen überlassen, das Gesundheits und Rentensystem vollkommen zu privatisieren.

Und die wollen Gewinne machen. Sie als Patient sind nur dazu da, diese Gewinne zu ermöglichen. Das wird soweit gehen, dass man für eine Blinddarmoperation einen Kredit aufnehmen muss.

Wollen Sie das?????

Gesundheitsausgaben und Ausgaben Zahn je versicherter 2012 
Zu guter Letzt nochmal zur Erinnerung. Anders als im zahnärztlichen Bereich, steigen die Ausgaben für Gesundheitsleistungen ( Arzt / Krankenhaus) mit zunehmendem Alter erheblich an. Und da wir immer älter werden, werden diese Ausgaben auch immer höher werden.

Im zahnärztliche Bereich bleiben die Ausgaben nahezu konstant und überschaubar.

Vielen Dank für Ihr Interesse.

Es grüßt Sie herzlich

Dr. Stefan Klinge

 

 

 

 

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